Diese gnadenlose Story erschien bei www.zyn.de!

Reformreichtum:

Das 1-Euro Verdienstprinzip

von Andreas Schulz

 
 

Ewiges Genöle, lauthals empörte Proteste, Schreie nach sozialer Gerechtigkeit und vieles mehr. Nichts echauffiert den faulen Sozialschmarotzer heute mehr als Hartz IV und insbesondere die angepriesenen 1 € Jobs. Da wird der Gesellschaft alles zwischen Vögelchen und gewachsenem Stinkefinger gezeigt. Jeder der jahrelang seinen müden, arbeitslosen Arsch nicht vor 10 Uhr hoch bekam, kann nun
plötzlich um 6 aufstehen, um pünktlich zu jeder Montagsdemo auf der Matte zu stehen, während er die letzten 6 Jahre und mehr den Weg zum Arbeitsamt bisher kaum mit Navigationssystem im staatlich gesponsorten
BMW fand. Dass aber die 1 € Jobs auch ein wirkliches Schnäppchen sein können, soll einmal kurz an dieser Stelle anhand von Beispielen erläutert werden.

Vorweg, jeder kann sich mit 1€ Jobs nicht nur über Wasser halten, sondern dumm und schmutzig verdienen. Es ist alles lediglich eine Frage des rechten Timings, ein wenig Grips und vielleicht auch ein wenig Vitamin B. Natürlich ist der Wessi hier marginal im Vorteil, weil er gegenüber dem armen Ossi schon immer einfacher an Vitamine kam. Nach 15 jährigem Durchfressen, sollte aber nun auch der sturste
Ossi nahezu mit dem wohlgenährtesten Wessi gleichauf liegen und damit eine annähernde Chancengleichheit im hart umkämpften 1 Jobmarkt haben.

Nehmen wir ein Beispiel. Wir von ZYN! haben ein Interview mit dem (bis vor kurzem) Langzeitarbeitslosen Marco P. aus Zwickau geführt. Marco war ursprünglich bei der Volksarmee und hatte danach einige Gelegenheitsjobs als Personen-schützer. Mit seinen 50 Jahren gilt er traditionell als besonders schwer vermittelbar.

ZYN!: "Marco, was machst du jetzt beruflich ?"
Marco: "Nun, ich bin vor kurzem vom Arbeitsamt in Zwickau angerufen worden und man bot mir einen 1 Job als Totengräber auf dem Zwickauer Zentralfriedhof an. Zuerst war ich natürlich dagegen, weil ich dafür schon um 7 Uhr aufstehen und bei jedem Wind und Wetter raus muss."
ZYN!: "Was hat dich also dennoch bewogen, diesen entbehrungsreichen Job anzunehmen, zumal 1 ja eine wirklich magere Bezahlung für diese (hähä) Knochenarbeit ist ?"
Marco: "Zuerst durfte ich ja eine Art Schnupperkurs in der
Leichenhalle und auf dem Friedhofsgelände machen. Das erschien mir anfangs echt frustrierend, aber da wir Zwickauer ja ordentlich was auf dem Kasten haben, habe ich direkt erkannt, dass es doch auch sehr lukrativ sein kann."
ZYN!: "Inwiefern ?"
Marco: "Das was ich jetzt sage, bringt ihr aber nicht im Interview, oder ?"
ZYN!: "Natürlich nicht, Marco." (Aus guter Tradition wussten wir
natürlich, dass sich selbst der schlaueste Ossi leicht an der Nase herumführen lässt, und so ließen wir ihn in dem Glauben)
Marco: "Also, viele der Tätigkeiten als Totengräber muss man alleine oder nur mit einem Kollegen verrichten. Gerade, wenn man Verstorbene der Verbrennung zuführt, sie in den Kühlfächern bunkert oder manchmal wieder ausbuddeln muss, hat sich schon so manches Schmuckstück
gefunden."
ZYN!(irritiert): "Wie jetzt?"
Marco: "Ich sag doch, wir Zwickauer sind ein schlaues Völkchen. Was denkt ihr wieviel Leichen noch Schmuck insbesondere Intimschmuck tragen. Das wäre doch zu schade, wenn sowas verloren geht. Jeder nimmt was er bekommen kann. Ich habe neulich einen Brilli bei einem Nippelpiercing gefunden, den ich natürlich sofort eingesackt habe. An
praktisch jeder Ecke in Zwickau gibt es Pfandhäuser und so verdient man sich ein mehr als ordentliches Zubrot. Wir Zwickauer sind helle Köpfchen oder?"

ZYN!(desillusioniert): "Aber meinst du nicht Marco, dass du damit die Ruhe der Toten störst?"
Marco: "Ei verbibscht, nein. Wenn man tot ist, merkt man nichts mehr und niemand, am wenigsten die Toten, merken den Verlust eines Schmuckstücks. Zahngold ist aber noch unauffälliger. Manchmal kommt es auch vor, dass wir echt hübsche tote Frauen angeliefert bekommen oder
welche Ausbuddeln, die noch nicht ganz verwest sind und dann ... ihr druckt das ganz bestimmt nicht ab ?" ZYN!(energisch): "Nein, sei dir ganz gewiß, Marco." (Manche Ossis sind wirklich mißtrauisch)
Marco: "Also wo war ich ?"
ZYN!(gespannt): ".... ihr buddelt hübsche, tote Frauen aus oder
bekommt welche angeliefert ..."
Marco: "Ach ja genau, und weil wir Zwickauer ja schlau sind, hab ich mir gedacht, warum nicht nochmal drübersteigen über die Mäusken?"
ZYN!(angewidert): "Du meinst, ääh du vergehst dich sexuell an den Toten? Du weisst aber, dass sowas strafbar ist und Nekrophilie ist eine wirklich äußerst geächtete Tat."
Marco: "Wir Zwickauer sind doch schlau. Welche der Toten könnte denn noch etwas ausplaudern? Ausserdem ist ein klarer Vorteil, dass man keinen Gummi nehmen muss, weil ja Tote nicht mehr dicke werden können. Manchmal ist es zwar aufgrund der Leichenstarre schwer einzudringen,
aber dann muss man eben ein wenig nachhelfen. Im Grunde ist das kaum anders als mit meiner verstorbenen Frau. Sie war auch bis an das Ende ihrer Tage frigide. Wollt ihr noch genauer wissen, wie man es am besten mit den toten Frauen dann macht ?"
ZYN!(angeekelt): "Nein, vielen Dank Marco. Danke für das Interview." Wie aus obigem Kurzinterview zu erkennen, erfordert es nur einen winzigen Funken Pioniergeist und ein wenig innovatioves Denken und Handeln, um zu neuen lukrativen Ufern aufzubrechen. Natürlich ist Marco nur ein Beispiel von vielen. Es steht hierbei außer Frage, dass es natürlich weiterhin "offiziell" ein reiner 1 Job ist, aus dem Marco das Beste gemacht hat. So kann es aber vielen gehen, die Marco mit dieser oder einer anderen Idee nacheifern wollen. In einem nicht abgedrucktem Teil des Interviews verriet uns Marco übrigens noch, dass er bald soviel Geld beisammen haben wird, dass er plant, eine Bestattungs-Ich AG aufzumachen. Aber noch nicht genug damit, nein. Wir möchten natürlich auch ein typisch westdeutsches Beispiel für einen erträglich-ertragreichen 1€ Job aufzeigen. Unser Ziel soll es hier sein, dass möglichst transparent dargelegt wird, dass eine echte Chancengleichheit für Ossis und Wessis herrscht. So haben wir uns auf die Suche im tiefsten Ruhrpott gemacht, wo die Arbeitslosigkeit seit je her sehr groß ist. Sehr schnell wurden wir auch hier fündig. Das folgende Interview haben wir geführt mit Uschi, 42 Jahre alt, ebenfalls Langzeitarbeitslose, geschieden mit 4 Kindern.
ZYN!: "Uschi, hier in Duisburch-Rheinhausen isset ja auch schwer Arbeit zu bekommen. Wat machste jetzt zur Zeit?"
Uschi: "Also, isch hab neulisch vonnem Arbeitsamt ne Info bekommen, dat isch auf 1€ Basis ersma innem schnuckelijen Privatclub malochen könnt. Isch wusst natürlisch nit um wat et da jenau jeht, aber isch hann ma rinnjeschnuppert."
ZYN!: "Ja und Uschi, wat isset jenau? Spann uns doch nit so uffe Folter."
Uschi: "Also, mein Ex, der Manni, hat immer jesacht, wenn du sowat machs, dann bringt er misch um. Wenn der Manni noch mein Freund wär, könnt isch dat auch janisch tun. Achso, ihr wolltet wissen worum et jeht, oder ?"
ZYN!(fingertippelnd): "Jahaaaaa."
Uschi: "Im Jrunde hängen de anderen Mädels und isch da auffe Sofas rum und warten wat so passiert. Wenn da mal'n Typ rinnkütt, dann würfeln mer uss, wer von uns sisch an den Magga ranmachen soll. Manschmal sucht er sisch auch selber eene von uns raus. Da hann isch janz jute Schongsen, weil die meisten Typen auf meine dicken Möpse stehen. Mögt
ihr Jungs doch auch, oda ?" (hebt ihr Sweatshirt an)

ZYN!(verwirrt): "Ja Uschi, schön schön, aber iss dat nich nen bisken viel wat du da für so'n 1€ Job machst ?" Uschi: "Man Jungs, ihr seid aber auch ma auffen Kopp gefallen, oda ? Natürlisch jeht da auch viel mehr, wenn isch mir so einen Magga mit uff's Zimmer schlepp. Der Dieter, der die janze Kohle von uns Mädels ersma einkassiert, issja schliesslisch nit mit uffem Zimmer. Wenn der alle meine Kohle kriejen
würd, dann würd isch ja wirklisch für 1€ poppen, wat dat Zeuch hält. Dat wär wirklisch scheisse."

ZYN!(sprachgeschädigt): "Ja aber Uschi, dat kost doch auch 'n bisken Überwindung einfach so fremde Kerle zu, na du weisst schon, und vor allem, wie krisste die Kohle am Dieter vorbei ?"
Uschi: "Ihr Jungs meint, die verschiedensten Typen zu poppen
Eijentlisch nit, weil isch schon immer rescht aufjeschlossen war oder denkt ihr, dat meine Kiddies vom Storsch jebracht worden sind ?"
ZYN!: "Nee natürlisch nit Uschi, aber ..."
Uschi (fällt ins Wort): " ... weil dat wildfremde Kerle sind, oder wat ? Eijentlisch auch nit, Jungs. Dat iss doch bei eusch Jungs nit anders. Ab und zu mal ne andere Olle poppen macht eusch doch auch Spaß, oda ? Ausserdem war isch ja früher ma Bäckerin. Da hann isch immer wat innen Ofen jeschoben und jezze schieb isch mir täglisch wat inne Röhre. Iss im Jrunde nix anneres. Achja wejen dem Dieter. Der Dieter hat jesacht, dat wir dat ja immer mit Jummi machen sollen. Wenn mans aber ohne Jummi macht, dann merkt dat der Dieter erstens nisch
und zweitens bringt mir dat viel mehr Kohle ein. Die schmuggel isch mir dann zusammenjerollt innem kleenen Bündel im Po raus."
ZYN!(neugierig): "Du meins, dat du dir paar Hunnis zusammendrehst und sie dir in die Rosette schiebst?"
Uschi(strahlend): "Jenau Jungs, nu habt ihr et auch jeschnallt. Mitte Jahre jeht da janz schön viel rinn. Die Jungs vom Arbeitsamt denken übrijens bis heute, dat isch dat für'n Euro mach. Wenn die natürlisch vorbeikommen täten, um misch zu testen oda so, dann müsst isch et
wirklisch mal für'n Euro machen. Tarnung iss alles, wa Jungs ?"
ZYN!(nickend): "Ja Uschi, vielen Dank für et Interview."

Nachdem wir von ZYN! unsere leichten sprachlichen Unzulänglichkeiten wieder unter Kontrolle hatten, stellten wir auch hier fest, dass Ideenreichtum belohnt wird. De Uschi, pardon, die Uschi hat für sich auch das beste aus einem "offiziellen" 1€ Job gemacht. Es dürfte auch hier wieder einleuchtend sein, dass diese Tätigkeit höchst lukrativ
sein kann, wenn man auch selber bereit ist, ein wenig Engagement mitzubringen und etwas an Einsatz zu investieren. Das Gute an Uschis Beispiel ist natürlich auch, dass sie wie aus ihrer Arbeitslosenzeit gewohnt und typisch, lange ausschlafen kann und erst Abends ein paar
Stunden ihrem neuen Job nachgehen kann. Das lässt sich, so sagte uns Uschi, auch gut mit ihren Kindern, die dann schon schlafen vereinbaren. Wir haben jede Menge weiterer Interviews geführt, wollen uns aber auf
diese 2 Exempel beschränken und damit aufzeigen, was drin ist und was nicht, da doch beide vorig geschilderten Fälle sehr markant aufzeigen, dass sehr wohl die 1 Jobs eine echte Alternative, wenn nicht mehr sind. Jeder von euch, der solche Angebote erhält, sollte wirklich genau prüfen, welche Chancen sich auftun können. Es empfiehlt sich unbedingt, dass man ganz gleich welches Angebot, immer bis in alle Ecken ausleuchtet. Vielleicht seid auch ihr dann bald ein/e
glückliche/r 1 € Job Inhaber/in.