Fuchs is' ooch nich mehr, was er mal war

Sauerzapfe und Hannelore Brohsulat finden Gerhard Fuchs wieder und heraus, daß er nich' mehr durchsieht

Um alles Wichtige vorwegzunehmen: Wo der Sauerzapfe sich um Besserung bemüht, is' sein alter Geschäftspartner in Sachen Kohlenscheine von die, die's nich lassen können.


Aber, man muß ihm zugute halten: Er bleibt seine Opfer treu. Damals warn's die Kohlenscheine, jetz', wo er 83 is', läßt der in sein Altersheim die Sau raus. Das hat den großen Vorteil, daß er die Mitsiechen jeden Tach mit'n neuen Clou komm'n kann; da die alle schon die volle Amnesie ham'n, halten die ihn jeden Tach von neuem für'n Fachberater. Die freun sich heute übern Kohlenschein, auch mit 'ne Gasheizung ! Neulich hat er in der Kategorie 80+ Lebensversicherungen verscherbelt; und, was soll ich sagen: 100 % Planerfüllung. Der hat so lange gesabbelt, bis sich die Siechen wieder wie 20 jefühlt ham'n und abgeschlossen, also die Lems-versicherung. Demnächst wird er sich an die Berufshaftpflicht ranwagen - die höchste Hürde im Siechenheim; da lebt man immer mit der Gefahr, daß es bei einem plötzlich licht im Bregen wird.


Also, als ich mich von das Wiedersehen mit der Hannelore Brohsulat aus der letzten Ausgabe erholt hatte, beschlossen wir, zum Gerhard in das Heim zu gehen und so richtig einen auf das Wiedersehen zu ziehen. Aber, was soll ich sagen: Irgendwie hat der Gerhard auch schon gelitten. Ständig hat er gefragt, wer ich wäre oder ob die
Hannelore schon verheiratet is' oder noch frei

Die Sau, die. Un' dreimal inner Stunde kriecht er vonner Schwester 'n Einlauf als Muntermacher; Dabei stand der Goldi uff'm Tisch. Am Ende kommt's noch so weit, daß er sich selbst 'n jefälschten Kohlenschein andreht.

»Es gibt erst Kompott, wenn alle Teppiche und Kochtoppsets an'n Mann jebracht sind«

Wir sind zum Essen geblieben. Er wollte es so. Das war übel, also nich' das Essen. Die nutzen scham-los jedes Gebrechen für sich aus, die Wärter. Die janzen Siechen wackeln den janzen Tach mit'n Kopf vor sich hin: Was erwarten die da auf die Frage, ob's schmeckt ? Natürlich nicken alle. Die nicken hier zu allem. Un' grinsen. Un' dabei gab's Griesbrei mit roten E 516-Pamms inne Mitte un' durchjerührte Vitamine mit zweidrei zusätzliche rote Blutkörperchen. Das war dann doch übel. Fehlt bloß noch, daß sie den Jebiß-reiniger gleich mit reinkippen. Die Hannelore is' gleich raus und mußte schon anstehen am Klo. Ich hab's 'n Gerhard in'n Koffer mit seine jefälsch-ten Kohlenscheine jekippt. Wenn er's richtich aushärten läßt, kann er's noch als Bimsstein an'n Mann bringen. Un', was soll ich sagen, daß Essen is' hier 'n Riesenjeschäft. Zuerst kömmt 'n Volksdödler auf die Bühne und singt sein' Reim vom Band un' jeht dann mit'n Hut rum. Dann tritt der Fotograf auf und lichtet Berta mit Else und Hubert mit Herbert ab, um denen dann die Bilder zum Preis von 1923 anzudrehen. Die alle essen Mittach seit aschsich-neunsich Jahre: Un' plötzlich brauchen die 'n Bild davon ? Un' dann, wenn der Blutdruck so hoch is', da´er fast Normalwerte erreicht, weil Pudding mit E-366 schon vom Tablett lacht, jeht die Tür auf un' der Psychoterror los: Es gibt erst Kompott, wenn alle Teppiche und Kochtoppsets an'n Mann jebracht sind. Das is'n Fall für'n Tierschutzbund ! Die würd'n doch alles tun für ihr'n Pudding. Un' ständig fallen die Löffel runter - das is'n Jeklapper, als ob der Pope mit die Kollekte rumjeht. Einer wollte sich nach sein Löffel bücken un' is' gleich vornüber vom Stuhl. Das hat dann der Vertreter gleich als Ungeduld
gewertet un' als Gebot: Das hatter nu' davon: 'n 256teiliges Kochtoppset. Un' Berta von gegenüber wollte gleich ihr Strickzeuch holen von wegen die Topplappen.

Nach'm Essen wurden alle Stühle leicht anjekippt: Das hieß Mittachsschlaf ! Da begriff ich, wozu es gut is', daß die Ollen alle schwerhörig sind: Das war ein Schlürfen, Sabbern, Grunzen. Einer pro Stunde wurde auf die Intensivstation jekarrt, dreie mußten anns Sauerstoffjerät, zweie hatt'n vergessen, ihr'n Pudding schon gegessen zu ham'n un' gab'n erst wieder Ruhe, als sie noch ma' Pudding jekriecht hatten. Dann glaubte plötzlich einer, was von Kuchen jehört zu ham'n: Das war wie'n Stromstoß. Da war'n alle wach un' niemand mehr zu halt'n: Um halb zwei ! Das der Kuchen noch beim Aufback'n inner Röhre war, güldete nich'. Kuch'n oder Revolution. Die ersten hatten sich schon hochjeschraubt, mit ihre Stöcke nach die Wärter jeschmissen und war'n dann umjefallen. Wenigstens blieb Gerhard locker: Er hatte ein Komitee gebildet. Einichkeit macht stark: Der Kuchen kam: Sandkuchen. Einer sachte nur: Och, schon wieder ! Un' der Wärter sachte: Das kannst Du gar nich' wiss'n; Du bist doch vollkomm'n verkalkt. Bin ich nich'. Bist Du doch. Bin ich nich'. Bist Du doch. Da kam das erste Stück Kuchen jeflogen. Leg Dich nie mit Siechen an ! Schon flog aus allen Ecken der Kuchen. Der Wärter brach in einer Staubwolke von den Sand-kuchen zu Boden - alles kreischte - ein anderer Wärter rief nach den Tränengas und noch ein andrer wollte den Saal mit'n Feuerlöscher zu-schäum'n bis Ruhe is', aber das brachte die nur auf'ne bess're Idee: Jetz' schossen die mit ihre Sahneschaumkanonen. Ein Wärter sprang aus'm Fenster un' wurde inne Rosenhecke filettiert, der andre war schon völlich zujeschäumt. Dann ent-deckten sie hinter die Kochpötte den Vertreter: Die Wurzel allen Übels. Die arme Sau ! Alles stürmte mit die Kuchengabeln auf den los. Sah gut aus. Die Akkupunktur-Schwester hätte das nicht besser jekonnt. Na, ich hatte mir wenixtens jenuch Sandkuchen jesichert und konnte den inner Ecke jemütlich in den zujeschäumten Wärter einditschen.