Nachdem S. sein' großen Coup total in'n Sand jesetzt
hatte, wollte der alles wieder gut machen und schlich sich
als Suppunternehmer Pluster bein Neujahrsempfang vom Bürgermeister
ein, um uns von das kalte Büfeee einen Spionagebericht
berichten zu können.
»Ooh, Herr Pluster, herzlich willkommen ! Gnä'
Frau. Bitte gleich hier links entlang. Wenn Sie sich bitte
hier anstellen möchten. Ein Glas Sekt für jeden.
Und ein Käsespießchen dazu. Und eine Neujahrsgrafik,
in diesem Jahr komplett in Rosa. Ist das nicht herrlich
? Bitte beachten Sie auch die kleinen Löffel. Ein Modell
mit Klemmduppe. Dolloni-Design. Sie können ihn am Teller
festduppen. Der Bürgermeister hat sie extra entwerfen
lassen. Für Eberswalde. Symbolisch gewissermaßen.«
»Symbolisch ? Wofür ?«
»Nä, symbolisch eben. Für das Feststecken
nein, ich glaube für den Aufschwung. Ja, für den
Aufschwung, glaube ich. Sehen Sie, wie der Löffel aufschwingt,
kurz vor der Duppe ?« »Wo denn ? Ich sehe ja
gar nichts !«
»Hier doch, hinter dem Blumentop also wenn Sie kurz
hinter dem Hut von gnä' Frau mehr nach vorn. Wenn Sie
auch bitte die Unterschriftslisten des Landrats beachten
wollen, gleich hinter dem Käse. Gegen die SED nur zur
Sicherheit, versteht sich gegen das Krematorium und gegen
Krematorien ganz allgemein, wegen des Nachdrucks, und gegen
die stalinistischen Verflechtungen zwischen Feuerbestattungen
und Krematorien.«
»Guten Tach, mein Name ist Armleuchter wollnse nen
Hustendrops« »Nee aber ick muß wenn ich
eine kleine Durchsage, äh ...« »Der Landrat
läßt sich entschuldigen. Er ist ratlos. Und schon
ins Bett gegangen. Er muß einfach mal vor allem die
Augen zumachen, hat seine Frau gesagt.« »Ooh,
wie schade !« »Laßt uns ein Lied für
ihn singen !«
»Und eine Neujahrsgrafik, in diesem
Jahr komplett in Rosa«
Na, ich werde dann mal zu den Käsespießchen,
dacht' ich noch und wurde schon in weitem Bogen durch den
drängelnden Persönlichkeitenauflauf zum Büfeee
gedrückt. Die Hälfte meines Sektes war inzwischen
über mein rechtes Hosenbein in den Schuh abgerollt
- es schmatzte etwas, beim Auftreten. Über mein' rechten
Ärmel hatten sich schon einige Dressings zu ein Picasso
zusammjefunden. Dafür war ich mindestens zehn Unternehmern
auf die Füße jetreten. Na, das war ja auch etwas.
Man mußte rechts tüchtig gegendrücken, um
nich zu die Fischhäppchen abjedrängt zu werden.
Ich beugte mich weit vor, um den Schlemmertaler zu fassen,
doch ein plötzlicher Stoß zwang mich, mit der
rechten Hand Halt im Käsesalat zu suchen. Beim Aufrichten
merkte ich, daß der Binder von Kaki in die Preiselbeerkonfitüre
eingeditscht war. Das war nur gerecht. Dafür war ich
nämlich nu' doch zum Fisch abgedriftet. Na, ich probierte
von den Zierbarschen in Vanillecréme und nahm noch
einmal Anlauf auf die Käsetafel. Ich gewann auch schnell
wieder Land, da Kaki sein kleines Malheur entdeckt hatte
und auf das WC losgedrängelt war. Sicherheitshalber
hatte ich noch einen von den Zierbarschen in seine Jackettasche
gleiten lassen, damit sich der Gang auch lohnt. Ich hatte
schamlos die Verirritierung ausjenutzt und eben mein Schlemmertaler
erreicht, als mit unwahrscheinlicher Jeschwindichkeit eine
Dame auf mich zugerast kam. Sehr schlank und einjehüllt
in ein Sahtäng Kleid, wurde die von den Eigendruck
der Menge durch das Gedränge gleitend aus diesem herauskatapultiert.
Zum Halten kam sie erst unter ein hohes Cis aushauchend
in der Sahne-melange. Die war hin.Sie sank ohnmächtig
in sich zusammen. »Es ist Frau Brohsulat ! Sie ist
ohnmächtig.« »Harzer ?« »Nein,
Milchkaffee !«
Aber das is' ja Hannelore. Wenn die mich erkennt is' aus
mit meine Deckung. Is' die denn schon
zurück aus Schwedt ? Ich wand mir ab und merke noch,
wie sich meine Füße von den Boden abheben und
ich anfange zu schweben - von ein Glas Sekt ! Von ein Glas
Sekt ? Und irgendwie werde ich in dem Jedränge auch
immer länger, mit eine Hand inne Käsescheibletten,
die Füße sind schon nich mehr zu sehen. Irgendwie
war ich in den Tohuwa-bohu voll in die Schieflage jeraten
und, jetzt, wo alle zum Käse stürmen und sich
schon um die Spießchen kloppen, riß mich jeder
ein Stück mit, bis ich unter all die vorjestreckten
Bäuche wie in ein Strudel versank. Hoppala, was is'
das ? Wie krieg ich denn jetz' die Scheiblette wieder von
mein Auge runter.