Berlin wird dieser Tage gern bereist. Nach
viereinhalb Stunden bei 40 Grad in der Schlange wird man
in einem Café am Potsdamer Platz in Windeseile plaziert
und der Schweiß kann dann mal so richtig abtropfen.
Wenn sich dann die Körpergerüche
des ugandischen Scheinasylanten zur Linken und des usbekischen
Mafioso zur Rechten mit den Ihren vermischen, spüren
Sie, in einer Weltstadt angekommen zu sein. Und in einer
solchen kostet der Kaffee natürlich schon mal 12,40
€ incl. Mehrwertsteuer, Kurtaxe und einer S-Bahn-Gratis-Fahrt
nach Ahrensfelde. Dafür sind die Tassen abgewaschen
und nicht so widerlich groß, eher halbvoll klein.
Das ist fein durchdacht, weil man sowieso immer genau dann
aufs Klo muß, wenn man auf einer Stadtautobahnbrücke
im Stau steht oder im Kino genau nach den letzten Karten
ansteht, die hinter einem alle die wollen, die nur darauf
warten, daß man jetzt aufs Klo muß.Einen ganz
anderen Charme verströmt diesen Sommer London. Der
London-Fog soll in diesem Jahr sämiger sein. Lassen
Sie Ihren Begleiter weiter als zwei Meter voranlaufen, weil
er nicht mit Ihnen gemeinsam mit der Handleuchte die Schaufensterauslagen
nach Dessous absuchen will, dann isser weg für immer.
Irgendwann landet dann hier aber sowieso jeder in der Themse,
entweder ermordet oder weil er glaubt, endlich die Unterführung
zum Hyde Park gefunden zu haben. Der Hühnerhof in Schnakenburg
(Niedersachsen) bietet in diesem Sommer den ganzen Lebenslauf
des Huhns zum Mitmachen. Lassen Sie sich mit einem Ei ins
gemachte Strohnest fallen und holen sich dort Flöhe
! Machen Sie Rast an unserer Hühnerbar und hauen Sie
sich den Magen mit sehr eiweißreichen Ringelwürmern
(für Sie tot) voll. Fahren Sie mit einem Huhn die größte
Hühnerachterbahn aus Holz durch die Höhen und
Tiefen eines Hühnerlebens und erleben Sie, wie das
Huhn mit 360 Volt zum Hühnerdöner wird ! (Die
Federn können Sie mit nach Hause nehmen und in Ihr
Kopfkissen stopfen und die Knochen auf Ihren Kompost schmeißen.
Den Erkennungsring Ihres Begleithuhns können Sie gegen
Aufpreis zu einem Ohr-, Nasen- oder Bandscheibenpiercing
von unserem Hühnerhufschmied umarbeiten lassen.)
Auf dem Mars ist es dieser Tage
des Mittags recht heiß
Auf dem Mars ist es
dieser Tage des Mittags recht heiß. Sie müssen
in die Kanäle hinabsteigen, um sich vor der Sonne zu
schützen. Vergessen Sie nicht, Ihr Angelzeug einzupacken.
Hier beißt ein kapitaler Steinbeißer. Steine
als Köder liegen genügend herum. Sollte der Fisch
etwas auf sich warten lassen, weil die Kanäle zum Beispiel
noch kein Wasser führen, kratzen Sie etwas von den
vergammelten Algen aus dem Vorjahr aus dem Flußbett
und kochen sich einen feinen Brei. Dazu zuppeln Sie ein
paar gut durchgetrocknete Fleischfasern von den Skeletten
der noch herumliegenden letzten gescheiterten Marsmission.
Wenn Sie lange sammeln,
könnten Sie es aber auch einmal mit einem Mikrobensüppchen
versuchen. So gestärkt, können Sie dann die Sehenswürdigkeiten
des Mars besichtigen: Geröllhügel, Geröllberge,
Gerölltäler, Gerölldünen, Geröll-canons,
Geröllflüsse. Oder finden Sie, daß es doch
besser wäre, gleich in der Wohlfühlstadt
zu bleiben ? Das Kulturamt hat wieder eine bunte Palette
für Sie vorbereitet. Auf dem ehemaligen Laga-Gelände
können Sie täglich den Spitzwegerich beim Blühen
beobachten bis er verblüht ist. Trinken Sie dazu einige
Flaschen Burgunder, bis Sie glauben im Paralleluniversum
zu sein. Das Kulturheim lädt Sie täglich zur beliebten
Veranstaltungsreihe »Eine dufte Familie« ein.
Verpassen Sie keine Folge und vergessen Sie Ihr Aufputschmittel
nicht! Nach dem Kaffee wird lediglich Terpentinersatz in
Plastebeuteln zum Schnüffeln gereicht. Der Tierpark
bietet jeden zweiten Tag das Faultier beim Gähnen.
(Dazwischen braucht das Faultier einen Ruhetag.) Abends
wird das Gähnen dann im Westend-Kino von 20 bis 22
Uhr noch einmal im Zeitraffer wiederholt. (Eine Live-Übertragung
im BB-Radio ist in Vorbereitung, mit Gewinnspielteil.).