Sie lächelte mich an während sie ständig an meiner Decke rumwurstelte. »Und nun wollen wir uns mal schön entspannen.« »Ich bin seit 25 Jahren Rentner: Was meinen sie, was ich in der ganzen Zeit gemacht habe ?«

Ich habe es ja vorher gewußt: Ich hätte mich nie auf einen dieser Entspannungsnachmittage in Gerhards Siechenheim einlassen sollen. Alle hingen nur so da, als würden sie auf ihren Abtransport warten. Ein Herr in einem schwar-zen Sakko trat ein. »Wolln Sie hier schon Verträge abschließen ?«, fragte ich mal so inn Raum, aber die Hannelore trat mich gegens Stuhlbein und zischelte: »Stör nich wieder, sonst gibts aufs Maul !« »Das ist Herr Buschniete. Er wird unseren Entspannungsnachmittag mit einigen Kartentricks auflockern.« Die Niete setzte sich zu uns ann Tisch und fing gleich an, ein ganz entspanntes Kartenhaus aufzustapeln. »Mann, Sie sind ja gemeingefährlich. Damit könn'n Sie ja Rentner einschläfern. Ich habe 1954 zweiundzwanzig alten Frauen gefälschte Kohlenscheine angedreht. Das war'n Hammer !« Er beugte sich zu mir rüber und raunte mir zu: »Haben Sie Interesse ?« Na, jetzt wirds doch noch interessant, und ich dachte an Pornohefte oder son Schweinskram. »Na, dann rück mal rüber !« »Haben Sie Interesse an« - er zögerte, einen Spannungsbogen wie beim hohen C aufbauend - »an Kochtöpfen ?« Ha, jetz isses raus ! Wußt ichs doch: An dem Kerl is was faul. »Die Sau hier macht unsittliche Angebote !«, rief ich mal so inn Saal hinein. Sofort fielen zwei Aufseher über mich her, um mich in meim Schaukelstuhl zu halten. »Die Sau, die !« Ich strampelte mit den Beinen schon wie ein junger Hubschrauber. »Gleich hab ichs !« »Herr Buschniete wurde vom 'Zentralkomitee für Unterhaltungskunst ab 70'als großes Talent eingestuft. Also beruhigen Sie sich !« »Ich will mich aber nich beruhigen ! Den mach ich alle !« Dann banden mich die Schweine mit Herthas Häkelzeug in meim Schaukelstuhl fest. »So, nun wollen wir doch wieder schön schaukeln und uns entspannen.« »Mömö momomu mumööö.« Die hatten mir ein Bündel Strickwolle in den Mund gesteckt. »Mörhard, milf mir !« Aber Gerhard haute sich nur auf die Schenkel und fragte, ob jeder heute ein Kunststück vorführn müsse. Dafür konnte ich mit ansehen, wie Gerhard den Kaufvertrag für die 256 Kochtöppe unterschrieben hat. Das hat er nu davon ! Als Rentner muß man aber auch vierundzwanzig Stunden am Tag hellwach sein. Die Kochtoppsets lauern an jeder Ecke. Einmal ne trübe Minute erwischt: Und schon mußt du wieder anbauen. Gerhard hat nu schon ne Garage mieten müssen, für die 512 Töppe, ohne die er nich mehr weiterleben wollte. Und als wir die der Eisengießerei zum Einschmelzen vermachen wollten, da hat er uns mit seim 256teiligen Messerset bedroht: Mit dem ganzen Kasten auf einmal, weil er nich mehr wußte, wie man den aufkriecht. Dann kam der Yoga-Mann rein.

»Rente verleitet bloß zum Geldausgeben !«

»Mann, die Scheiße fusselt vielleicht. Hertha, versuch nie Deine Wolle zu essen ! Das Zeug kriechsde nich ma mit viel Ketchup runter.« Vorne hatte der Yoga-Mann schon angefangen. Er hatte sich den Diethelm als Vormacher nach vorne geholt. Der hat gleich ein blaues Tuch mit weiße Sterne übern Kopf gekriecht und schon mit Schweben angefangen. »Voll entspannt der Kerl !« Aber sie hatten vorher sechs Aufseher gebraucht, um ihn inn Schneidersitz zu kriegen. Und so zu halten ! Aber irgendwie sah er dann plötzlich gar nich mehr so entspannt aus, als er mit Schnaufen anfing. Das is n sicheres Zeichen für Überdruck. »Mann, der muß aufs Klo !«, sach ich noch. Dann schnappte das eine Bein nach vorne und das andere flog hinterher und Diethelm verschwand mit ein akkuraten Holüberrückschwung (ohne Abspringen) hinterm Vorführtisch. Von dem Tisch guckten uns nur noch seine Schuhsohlen an. Olle Wolfjang, der Simulant, sprang aus sein Rollstuhl und schrie: »Ich will auch !« Dann fiel er leider vornüber. Dabei verklemmte sein Gebiß. Dummerweise hatte er inn Teppich gebissen und sah beim Aufrichten etwas komisch aus, wie ihm der Teppich so ausm Mund hing. »Mensch Wolfjang, hättest ja ooch ins Gras beißen können bei deim Stant, hahaha-höhöööhö !« Der war gut.

Plötzlich schrie die junge Schwester auf. Für Bernhard war das zu viel Entspannung: Er war völlig zusammengesackt, seine Herzfrequenz auf dem Oszillomonoton war schon voll im Minus. »Au Backe, das sieht ja gar nicht gut aus.« Und grün wird er auch schon. »Gehm sie ihm doch mal nen Kleinen hiervon, Schwester !« »Was issn das ? « »Das is meine Medizin. Nen echter Muntermacher !« Sie kostete. Sie lief rot an. Sie stürzte zum Fenster und kippte sich die Karaffe mit dem Blumenwasser hinter. Ich wollte noch rufen: Nein, nich verdünnen !, zu spät. Schade um den echten Hochlandwhiskey; schmeckt zwar wie Schafspisse, aber der Rest reichte noch, um Bernhard zurückzuholen. »Ich wollte schon immer mal sehn, wie der Blumen-dünger so wirkt.« Sie hatte jetzt so merkwürdige lila Flecken im Gesicht. Sie kotzte der Hertha inn Schoß. Die hat aber nichts gemerkt; die entspannte ja. »Mensch Hertha, haste wieder das ganze Mittach danebengesemmelt, was ?« Die Hertha schobs aber gleich auf die Katze. Die bekam dafür von der Schwester einen Fußtritt und flog die Treppe runter. »Wir kommen nun zum Höhepunkt unseres Entspannungsnachmittags: Frau Dr. Wurstfinger vom Finanzamt hält ihren beliebten Vortrag: Rente verleitet bloß zum Geldausgeben !« »Meine lieben Rentner !« »Scheiße, Gerhard is abjesackt ! Der brauch ne Infusion ! Für den is das alles zu viel.« »Ja, da wir gerade beim Thema sind: Die Rentner werden dem Staat jetzt einfach

auch zu viel.« Hubert riß der Schwester gleich den schon einmal angesetzten Einlauf aus der Hand und wollte auf die alte Wursttante los. Vier Aufseher konnten ihn mit Mühe zurück-halten. Er wurde mit Tischdecken und Gardinen geknebelt und bekam drei Beruhigungsspritzen. Dann hatte Wolfjang, der Simulant, endlich eine Fußleiste losgepopelt und rollte, diese wie Don Quixote als Lanze reckend, auf die Alte los. »Ich krieg sie, ich hab sie - Scheiiiiiße - Ich hab sie nich. Nichts für ungut, Elfriede, die nähen das wieder zu.« Elfriede wurde rausgetragen.
»Wir müssen alle den Gürtel enger schnallen.« »Ich versuch das jeden Morgen. Da kommt mir immer gleich alles hoch.«, bringt Bernhard zur Diskussion. »Das ist ein Argument!«, pflichtet ihm Diethelm bei. »Mir kommt hier nach dem Mittach immer alles hoch.« »Und ich krieg hier gar nichts mehr hoch, da kann ich würgen wie ich will.« Gerhard hatte wieder nichts kapiert und brüllte schon los: »Ja, Sie lebe hoch, Sie lebe hoch !« »Gerhard, das war der falsche Einsatz.« »Ach, ich dachte Bernhard hat Ge-burtstag !« »Wir waren beim Essen, Gerhard. « »Ach, schon wieder essen ? Was gibbs denn ?« »Es gibt jetzt nichts zu essen.« »Aber wenn einer Geburtstag hat, gibbs doch immer was zu essen.« »Es hat aber niemand Geburtstag, zum Teufel !« »Warum feiern wir dann ?«

Die Tür öffnete sich und ein trat eine Schwester: »So, und jetzt gibbs heiße Lakritze für alle, gesponsort von der PGH Haustechnik.« »Also hat doch einer Geburtstag ! Ihr wollt mir ja bloß nichts von der Lakritze abgeben.« »Wir wollen jetzt ein kleines Lied für die PGH Haustechnik singen.« Die Schwester, die an der Tür stehen geblieben war, verschwand langsam in einer Dampfwolke und mir wurde von dem süßen Gestank schwindlig. Von links hatte sich, begünstigt von Bernhards Ablenkungsmanöver, die giftige Hilde an die alte Wursttante rangepirscht, die noch einen Versuch wagte, ihren schönen Vortrag durchzubringen. »Meine lieben, schönen Rentner !, die Rentenkürzung hat doch auch ihr Gutes.« Da wurde es ganz still im Saal, bis Bernhard aufstand und fragte: »Was denn ?« »Na, Sie müssen nich mehr so viel rechnen.« »Das ist wahr !« »Und das Finanzamt schenkt jedem Rentner drei Kleiderbügel aus Draht dazu. Ist das etwa nichts ?« »Ja, Sie lebe hoch, mit Ihre drei Kleiderbügel aus Draht ! Sie lebe
hoch !« Selbst Elfriede sprang von der Bahre, noch immer stakte Wolfjangs Lanze hinten und vorne raus, stürzte wieder zur Tür herein, rannte vor Begeisterung die Schwester mit der Lakritze um und schrie wie wild: »Ich lebe hoch !«, weil Sie wieder nichts begriffen hatte. Die Lakritze war mit der Schwester umgeflogen und lief inzwischen an der alten Wursttante runter und da Elfriede die Lanze noch nicht so im Griff hatte, stach Sie der Alten leider noch ein Auge aus. Da dachte die giftige Hilde wohl, wenn Sie schon geteert ist, kann ich Sie auch federn und haute ihr Kissen über ihrn Kopp kaputt.