Aber keine Angst - Eberswalde
bleibt trotz Zukunft eine Stadt zum Wohlfühlen
In der Einkaufsstraße Friedrich-Ebert tobt der Krieg
der Schrubber-läden. Der Andrang machte die realisierte
Verbreiterung des Bürgersteigs erforderlich.
Die Nordumgehungsstraße »Eberswalder Schwung«
soll den Verkehr aus dem Stadtzentrum ziehen, da die Konsumenten
zu häufig mit ihren Schrubberstielen in den Felgen vorbeifahrender
Autos hängengeblieben und mitgerissen worden sind. Schwungvoll
drängt die Landbevölkerung in die Schrubberstraße.
Und schoppt. Einen für Morgens, Mittags und einen für
Abends. Und einen Guten für Sonntags. Zum Anheizen des
Schrubberabsatzes wird die neue Stadtbotschafterin Dagmar
Schulz herbeigerufen. Sie taucht unter großem Hallo
als die drei Heiligen Könige verkleidet mit ihrem U-Boot
im Eberswalder Hafen und in der Blitz-Zeitung auf. Bei Schrubber-Buffke
warten bereits einige oder zwei Rentner sehnsüchtig auf
ihren Star. Sie erscheint und bläst ihnen auf einem Kamm
für neunundneunzig Pfennig »Hoch auf dem alten
Wagen«. Der Text kommt etwas undeutlich. Der ersten
Reihe wird es zu feucht. Sprechgesang eignet sich nicht auf
Kämmen. Der Absatzförderverein »Stadt-rummel«
hat seinen selbstgebastelten mobilen Infostand
»Hoch auf dem alten Wagen«
aufgebaut und informiert gratis zum Verbrauch von Schrubbern.
Alle wollen Autogramme von Frau Schulz. Alle anderen auch, als
die Mitarbeiter des Ordnungsamtes die begeisterte Menge einkreisen.
Eigentlich kamen die nur zufällig vorbei, um die Höhe
der Aufschriften über den Geschäften zu überprüfen.
Glücklicherweise gibt die Sanierungssatzung klar vor, wie
das Leben in der Shoppingmeile lebenswert wird.
Nach § 17, Absatz B sind Kunden eines Fachgeschäfts
nur glücklich, wenn die Aufschrift des Fachgeschäfts
nicht höher als 45 cm und der Rost des Fußabtreters
nicht mehr als 3 cm im Quadrat mißt. Schrubber-Buffke
kann sich gar keine Aufschrift leisten, hat aber die alten
Wellblech-Balkons für die Zukunft erhalten. Dafür
erhält er in diesem Jahr den Sanierungssonderpreis: Eine
Wasserhochzeit im Springbrunnen auf dem Marktplatz. Frau Schulz
und ihr Fanblock defilieren zum Markt.
Von der eilig wieder aufgebauten Maitribüne wird sie
mit 60 Jahre alten Nelken feierlich beworfen. Als Höhepunkt
der Verkaufsveranstaltung bläst sie dem Bürgermeister
live im Dorffunk noch einen (auf ihrem Kamm). Der Aufschwung
ist endlich herbeigeblasen. Und alle fühlen sich wohl.